#46. Wissen ist Macht – nichts wissen macht nichts. Wie viel wollt ihr wissen?

Man sagt immer „Wissen ist Macht“ und Bildung ist wichtig, doch man sollte dabei auch nicht vergessen dass sowohl (zu viel) Geld als auch die Karriereleiter den Charakter beeinflussen können. Ich werde nie vergessen als meine damalige beste Freundin und ich nach der Grundschule verschiedene Wege gingen und sie stundenlang mit Hausaufgaben und lernen verbrachte, teilweise sogar in meiner Anwesenheit. Es ist gut das Eltern darauf achten das ihr Kind die Schule ernst nehmen und dafür auch etwas tun um später einen guten Abschluss zu erhalten, doch ich finde das Kinder auch ein Recht darauf haben Kind sein zu dürfen.

Neben Lernen und Hausaufgaben sollte es auch noch etwas geben wie „Puppen, im Matsch wälzen oder ähnliches“ geben. Es ist schon klar dass eine gute Bildung Zeit in Anspruch nimmt, diese sollte man sich auch nehmen nur sollte man es nicht zu verbissen sehen. Man kann auch ein gutes Leben führen mit einem Haupt- oder Realschulabschluss und einer guten Ausbildung. Auch finde ich sollte man seinem Kind nicht einen Beruf vordiktieren sondern sich selbst ausprobieren lassen.

Schon in frühen Jahren habe ich „Post“ gespielt und für mich war klar das ich im kaufmännischen Bereich arbeiten möchte. Nach der Grundschule fiel die Wahl auf die Gesamtschule, das es hier aufgrund massivsten Mobbing nicht klappte lag nicht in meiner Hand. Das keine andere Schule mich nicht nehmen wollte ist ebenfalls bedauerlich, aber nicht änderbar. Meine Mutter und ich entschieden uns dann für die Körperbehindertenschule in Werl.

Wir wussten beide vorab das ich hier unterfordert sein werde, aber und das sage ich bis heute: Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Dort stand nicht der Lehrplan sondern lebenspraktische Fertigkeiten die einem in einem selbstständigen Leben weiter helfen. So gab es z. B. schulinterne Events bei denen wir für eine große Gruppe gekocht haben oder es gab ein Projekt bei dem wir für eine bestimmte Anzahl an Personen nur 10 Euro zur Verfügung hatten.

Als ich die achte Klasse besuchte wurde meine Augenerkrankung festgestellt. Meine Lehrer haben sich große Mühe gegeben, doch aufgrund der Tatsache dass ich die erste mit dieser Einschränkung war hatten sie große Mühe. Sehr beindruckt waren alle von der Situation als unser Lehrer damals Unterrichtsbesuch hatte und jeder von uns eine Lernmethode vorstellen musste. Diese hingen in einiger Entfernung an der Wand und jeder wusste dass ich diese nicht lesen konnte, doch ich hab es fehlerfrei vorgetragen, da Ich schon früh die Gabe hatte mir Dinge besonders gut merken zu können.

Ein großes Highlight war für uns alle die Abschlussfahrt nach Föhr. Wir waren nicht nur die erste Klasse die auf einen Zeltplatz übernachtete und sich selbstversorgte sondern auch statt fünf, sieben Tage dort waren. Sowohl die Zeltschnüre als auch die Nachtwanderung am Strand waren eine große Herausforderung für mich. In der neunten Klasse hätte ich die Möglichkeit gehabt auf das Berufskolleg für Blinde und Sehbehinderte nach Soest zu wechseln, aber ich entschied mich dagegen.

Der Grund dafür war die Tatsache das unsere Klasse der erste Jahrgang war der die Schule verließ. Nach der Erfüllung meiner Schulpflicht mit einem guten Lernbehindertenabschluss durchlief ich in Soest das Berufsorientierungs- und Berufsgrundschuljahr im Bereich Wirtschaft und Verwaltung und erwarb damit meinen Hauptschulabschluss nach Klasse 9 und 10.

Nach dem Berufsgrundschuljahr hätte ich die Handelsschule besuchen können um meinen Realschulabschluss zu erwerben, doch nach sechs Jahren Sonder- und Förderschulen wollte ich dort weg und entschied mich für die Abendschule der VHS. Bedauerlicherweise geriet ich an Lehrer die mir a) nichts zutrauten oder b) keine Rücksicht auf meine Behinderung nahmen. Anfang 2009 hatte ich auch bei der Agentur für Arbeit mit Vorurteilen aufgrund meiner Schullaufbahn zu kämpfen.

Nach einem Eignungstest und einer vierwöchigen Arbeitserprobung ermöglichte man mir dann die Ausbildung zur Bürokraft. Neben diesem schulischen Wissen habe ich in der Zeit in Werl auch erste Interessen und Hobbies entwickelt. Mein Herzblut steckte ich in die Arbeit der Schülerzeitung und finde es nach wie vor schade dass diese inzwischen eingestellt wurde. Aber auch der Sport kam nicht zu kurz. Großen Spaß hatte ich am Wheelsoccer und am Rollstuhlbasketball.

Das große Highlight im Schuljahr waren die Turniere auf der Rehacare in Düsseldorf und in der Körperbehindertenschule Dortmund. Durch die Tatsache das der Computer zu Hause eine große Rolle spielte gewann ich auch irgendwann Interesse daran, bis heute beschäftige ich mich mit HTML / CSS, WordPress und Typo3. Zum Abschluss möchte ich noch erwähnen: Es gibt Menschen die zum Beispiel aufgrund einer geistigen Behinderung oder einer Lernbehinderung nicht viel wissen, aber dies ist nicht schlimm. Auch bin ich der Meinung, man muss nicht alles wissen.

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