#15 – Schlüsselmomente

Schlüsselmomente sind für viele ein Auslöser zu Veränderungen. Nach Unfällen, schwerer Krankheit wie z. B. Schlaganfall oder Krebs, Trennung nach einer langen Beziehung oder der Auszug der eigenen Kinder.

Als die Ärzte damals meinen Eltern die Diagnose mitteilten konnten sie nicht sagen wie ich mich entwickeln werde, aber sie haben ihnen keine großen Hoffnungen gemacht, doch sowohl meine Mutter als auch ich gaben nicht auf.

Ich habe mit sechs Jahren Fahrrad fahren gelernt ohne Stützräder, habe schreiben und lesen gelernt, hatte schon früh Interesse an Bücher und habe den Bücherbus geliebt, trotz panischen Angst vor Wasser ein Schwimmbecken durchquert. Meine zehnjährige Schulpflicht mit einem Abschluss für Lernbehinderte absolviert, einen Hauptschulabschluss nach Klasse 10 erworben und eine dreijährige kaufmännische Ausbildung durchlaufen. Trotz der Tatsache das ich nur noch fünf Prozent sehe habe ich meine eigene Wohnung und schaffe die alltäglichen Dinge wie Einkauf, Kochen, Wäsche waschen, Papierkram usw. und versorge zusätzlich noch einen Hamster.

Im Herbst 2010 hatten wir eine Testzwischenprüfung mit den Kaufleuten zusammen geschrieben bis mich meine Ausbilderin und der Ausbildungsleiter ins Büro baten, ich war ein paar Tage zuvor bei einer Hilfsmittelberatung gewesen, wo auch ein Sehtest gemacht wurde. An diesem besagten Tag wurde mir mitgeteilt dass sich meine Augen rapide verschlechtert haben. Ich hatte in diesem Jahr zwei schwere Schübe gehabt, die dazu führten das ich rund zehn Prozent meiner Sehfähigkeit verloren habe, diese Tatsache an sich ist schon heftig genug, doch leider hatten die beiden oben genannten Personen wenig bis kaum Einfühlungsvermögen, es zog mir den Boden unter den Füßen weg.

Seit 2004 lebe ich mit der Krankheit und weiß dass ich irgendwann erblinden werde, aber wenn man die Veränderungen nicht bemerkt und es dann einen so kalt erwischt ist es jedes Mal heftig. Bin heute bin ich sehr froh dass es Menschen gab die mich aufgefangen und Halt gegeben haben, von diesem Moment an galt ich als blind, seit 2011 ist das nun auch schriftlich und ich bekomme Blindengeld. Danach nahm ich am Training der lebenspraktischen Fertigkeiten (LPF) teil und rund drei Monate später zog ich von zu Hause aus. Zum einen war das schon länger ein großer Wunsch von mir und zum Anderen war es gefühlt der richtige Zeitpunkt.

Nach dem ich sehr lange für den Ausbildungsplatz im Berufsbildungswerk (BBW) Soest kämpfen musste war es ein großer und schmerzhafter Schritt als ich im März 2012 beschloss, kurz vor der Abschlussprüfung die Ausbildung vorzeitig zu beenden. Bereits sechs Monate vorher hatte ich den Gedanken abzubrechen habe mich dann, aber noch sechs weitere Monate mitziehen lassen. Dennoch bin ich sehr dankbar dass ich im Februar 2012 an der Bewerberfahrt ins Kloster nach Meschede teilnehmen konnte und durfte.

Ich kann verstehen das es für Eltern nicht leicht ist solch eine Entscheidung mit zu tragen, meine Mutter jedoch hat mir gesagt „Egal, wie du dich entscheidest, ich akzeptiere es und stehe hinter dir“, doch mein Vater hat die Flinte ins Korn geworfen, in einer Zeit in der ich ihn am meisten hätte gebrauchen können.

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