Vom Sudan nach Lampedusa

Heute widmen wir uns mal einem Thema das nicht direkt zu meinem Alltag gehört mich, aber in gewisser Hinsicht trotzdem betrifft. Das Hammer Forum hat sich zur Aufgabe gemacht in Kriegsgebieten Kindern zu helfen, wenn sie in ihrem Heimatland nicht behandelt werden können, werden sie in Deutschland kostenlos behandelt. Während ihrer Behandlung in Deutschland werden sie in Gastfamilien untergebracht, so im Jahre 2002 bei uns. Wir haben einen damals 11 jährigen Jungen aus Eritrea aufgenommen. Er hatte eine Knochenentzündung und wurde hier behandelt und flog nach der Genesung wieder zu seiner Familie zurück.

Vor einiger Zeit kam in der Sendung „Vermisst“ auf Sat 1 eine Folge wo eine Krankenschwester ihr ehemaliges Gastkind wieder sehen wollte, dies wurde ebenfalls über das Hammer Forum betreut, durch diese Folge wurde meine Mutter aufmerksam und schrieb dem Bruder unseres Gastkind einen Brief um zu erfahren, wie die derzeitige Situation ist und was wir dann erfahren haben hat uns sehr erschüttert.

Unser Gastkind ist inzwischen 24 Jahre alt, und hat versucht über Äthiopien zu flüchten dabei wurde er von der Kamelmafia erwischt und kam in Haft, seine Familie musste ihn freikaufen. Beim zweiten Mal flüchtete er in den Sudan, dort lebt er nach wie vor. Seine restliche Familie lebt nach wie vor in Eritrea. Ein weiterer Bruder hat es bereits nach Lybien geschafft. Sein Bruder und er selbst müssen zu Fuß von Eritrea/Sudan durch die Wüste nach Lybien zu Fuß kommen. Wenn sie es dorthin geschafft haben brauchen sie derzeit 7.500 € um auf das Schiff nach Lampedussa zu kommen.

Wir Europäer sehen die Berichte über die Flüchtlinge jeden Tag im Fernsehen und handeln mit der Vernunft und würden vermutlich niemals auf solch ein Schiff gehen, doch die Einwohner in Afrika haben keine andere Wahl. Um an Bildung zu kommen und z. B. die Oberstufe zu besuchen müssen sie sich für das Militär verpflichten und das ihr Leben lang. Auch wenn sie nicht die Oberstufe besuchen können sie jederzeit vom Militär eingezogen werden. Sowohl bei Flucht als auch bei politischen Äußerungen kann man in Haft kommen und dann werden die Verwandten solange bedroht und unter Druck gesetzt dass sie die Familienmitglieder wieder freikaufen.

Die Flüchtlinge sehen nur „Wenn ich es bis Lybien und auf das Boot schaffe und in Europa ankomme dann ist mein Leben besser“ doch es hängt so viel mehr daran. Angefangen davon dass die Flüchtlinge an Land gesammelt werden, irgendwann auf das Boot kommen und nicht wissen ob sie heile ankommen. Oft wird ihnen erzählt das auf dem Schiff nur 150 Menschen sind, die Wahrheit ist es sind zum Teil bis zu 900 Menschen. Desweiteren ist es nicht sicher wenn sie es nach Europa schaffen ob sie überhaupt Asyl erhalten und sollten sie es bekommen, gibt es auch im Jahre 2015 immer noch Ausländerfeindlichkeit.

Der Bruder unseres Gastkindes verdient umgerechnet rund 100 Euro, da beide Brüder fliehen wollen bräuchten sie also insgesamt rund 14.000 €. Angenommen wir würden das Geld zusammen bekommen, wüsste ich ehrlich gesagt nicht ob ich es auch rüber schicken würde. Immerhin reden wir hier von Afrika, wer weiß ob das Land Zahlungen aus Europa einfriert oder andersweitig einzieht. Sollten sie es also durchziehen und bis Lybien schaffen was soll man solchen Menschen wünschen? Viel Glück oder gute Reise.

Ein kleiner Nachtrag noch: Die Regierung überlebt das Mittelmeer zu schließen doch was ist dann mit den Menschen? Derzeit versuchen es so viele Flüchtlinge wie möglich, weil im Winter die Gefahr zu erfrieren sehr groß ist. Es ist klar dass wir in Europa nicht alle Flüchtlinge aufnehmen können, dafür sind es viel zu viele man müsste mehr an den Ländern und deren Probleme selbst arbeiten. Sehr mutig fand ich es, vor ein paar Tagen hat sich ein Politiker der eher unbekannt ist zu Wort gemeldet und geäußert das wir eine Verantwortung für Europa und die Menschen haben.

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