#97 – Schlussstriche

Lange habe ich für den Blogideekasten keinen Beitrag mehr geschrieben, nun wird es wieder Zeit, dies zu ändern. Ein Schlussstrich steht in der Regel für ein Abschnittsende, und eine damit verbundende Veränderung.

Von der integrativen Grundschule zur Gesamtschule
Nach vier Jahren integrative Beschulung erhielt ich 2000, die Empfehlung für die Haupt- oder Gesamtschule, meine Mutter entschied sich für die Gesamtschule, unter Anderem, weil hier auch viele meiner Freunde hingingen. Die ersten Wochen lief es gut, doch dann begann das Mobbing. Ich kam also von der beschaulichen integrativen Dorf-Grundschule in das Haifischbecken der Gesamtschule in der Stadt. Da sowohl meinen Freunden als auch mir Schläge angedroht worden sind und die Lehrer / die Schulleitung nicht handelte, machte meine Mutter sich auf die Suche nach einer anderen Schule, doch es wollte sich keiner einem Kind mit Einschränkungen annehmen. Als ich 2001 nach Werl kam, öffnete sich eine neue Welt.

Nach dem Mobbing, aufblühen und wachsen in einer behüteten Umgebung
Fünf Jahre durfte ich in einer Umgebung verbringen, die mein zweites zu Hause wurde, auch wenn ich vom Unterrichtsstoff her nicht viel lernte, gab es so viel wichtigere Dinge. Wir haben Projekte gemacht und lebenspraktische Fähigkeiten gelernt. Ich hatte einen großen Freundeskreis und konnte viele Interessen wie die Schülerzeitung und den Rollstuhlsport kennen lernen und ausleben. Nach diesen fünf Jahren in vertrauter Umgebung mit Menschen, die sich mehr als nur für Leistung interessieren, kam der nächste Lebensabschnitt.

Berufskolleg für blinde und sehbehinderte
Da ich beruflich etwas erreichen wollte, wechselte ich auf das Berufskolleg in Soest. Es war eine neue Stadt, neue Leute, eine neue Schulform und alles änderte sich. Ich hatte das Glück, das ich Kontakte knüpfen konnte. Ich habe nicht nur meinen Hauptschulabschluss erworben sondern auch Techniken und Hilfsmittel für ein Leben mit einer Sehbehinderung.

Verlust der Sehfähigkeit
Der vermutlich größte Einschnitt in meinem Leben, war diese eine Tag im Oktober 2010. Gemeinsam mit den Kaufleuten, schrieben wir eine Übungs-Zwischenprüfung, bis meine Ausbilderin und Ausbildungsleiter ins Büro baten, und mir mitteilten das bei der Hilfsmittelberatung, festgestellt wurde, das mein Sehvermögen sich um zehn Prozent verschlechtert hat und ich somit fast blind bin. Es brach für mich eine Welt zusammen. Oft wurde ich nachts wach und hatte Panik dass es nun so weit ist, oft hatte ich den Gedanken „Du musst dir dies und jenes ansehen und gut merken, denn es könnte bald vorbei sein“. Mit der Hilfe des geschulten Personales in Soest hab ich es geschafft, mich an die Situation anzupassen.

Auf eigenen Beinen stehen – die erste eigene Wohnung
Der letzte große Abschnitt war mein Auszug im Mai 2011. Nach dem ich drei Monate lebenspraktische Fertigkeiten erlernte und ich die Nachzahlung des Blindengeld erhielt, zog ich im Alter von 22 von zu Hause aus. In den vergangen fünf Jahren bin ich zwar vier Mal umgezogen, aber inzwischen bin ich angekommen.

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