#110 – was ich noch sagen würde (bevor es unter geht)

Dies ist nicht nur ein interessantes Thema sondern es ist auch sehr vielfältig zu beantworten.

Was ich sagen würde? Ich möchte mich bei zwei sehr wichtigen Menschen bedanken. 2002 lernte ich Frau W. kennen, damals die jüngste Chemielehrerin, ein Jahr später übernahm sie die erste Oberstufe und begleitete uns bis zum Abschluss im Sommer 2006. Viele haben sie als überengagagiert und eine Spur zu neugierig betitelt und dies stimmt auch, doch genau für diese Eigenschaften war ich ihr zu dieser Zeit dankbar. Durch die Tatsache dass die Schule sehr abgelegen lag und als Ganztagschule gilt haben wir Ehemalige sie als „Käseglocke“ betitelt. Diese besagte Käseglocke war damals mein zweites zu Hause. Es gab Lehrer die auf einen aufgepasst haben, Freunde mit denen man alles teilte: AGs, Sport, Musikprojekte usw. Sie war zum einen eine engagierte Klassenlehrerein, aber sie kümmerte sich auch um die privaten Belange ihrer Schüler. Sie war damals, aber auch in den Jahren nach dem Abschluss ein großer Halt in meinem Leben.

Ein ebenfalls großer Halt zur selben Zeit war meine sogenannte „Busbegleiterin“. Diese Personen waren während der Fahrt dafür verantwortlich auf die einzelnen Schüler aufzupassen damit der Fahrer sich auf die Fahrt konzentrieren konnte. Sie war trotz ihres Alters noch jung und hatte immer ein offenes Ohr für uns. Bis heute denke ich sehr oft an sie und es tut mir sehr leid dass ich damals den Kontakt hab abbrechen lassen. Nächstes Jahr im Sommer sind es nicht nur zehn Jahre Schulabschluss sondern auch das unsere intensive Zeit endete.

Es heißt man kann sich seine Eltern nicht aussuchen das stimmt soweit auch, aber man kann im Laufe seines Lebens seine eigene Meinung entwickeln und sich sein eigenes Urteil bilden. Von klein auf war ich immer zu meinem Vater hin gezogen, ein absolutes Papakind. Bedauerlicherweise war der Kontakt nach der Trennung meiner Eltern nicht gut und so kam es das mein Vater uns wie Puppen behandelte. Wenn er Interesse hatte gab es Kontakt, wenn nicht dann eben nicht. Nicht nur das, nein er war mit seinen behinderten Kindern überfordert. Sei es das geduldige Füttern eines Spastikers oder der Umgang mit einem sehbehinderten/blinden Kind. Man sagt Eltern stehen hinter ihren Kindern in schweren Stunden doch als ich einen Vater gebrauchen konnte war er nicht da ganz im Gegenteil er brach den Kontakt für immer ab.

Für mich selbst war und ist es bis heute kein leichter Schritt gewesen so kurz vorm Ende die Ausbildung abzubrechen, doch ich habe sechs Monate gekämpft. Statt sein Kind aufzufangen, hat er mich erst beleidigt und dann für immer den Kontakt abgebrochen. Es tut bis heute weh doch ich weiß es ist besser so. Meine letzte Worte an ihn wären: Papa, egal wie viele schlechte Momente es mit dir gab, ich hatte und werde dich immer lieb haben und vermissen.

Ich bin auf meinen kleinen Bruder und Schwester stolz. Auf meinen kleinen großen Kämpfer, der trotz seiner Behinderung und der Tatsache das er ohne fremde Hilfe nichts machen kann in seiner eigenen Welt Spaß haben kann und scheinbar nicht leidet. Auf meine Schwester, weil sie nicht aufgegeben hat sondern trotz Rückschläge sich weiter beworben hat und es nun geschafft hat und am 1.9.15 ihre Ausbildung zur Tischlerin anfängt.

Zum Schluss möchte ich mich bei all meinen Freunden bedanken die mich die letzten Jahre begleitet haben. Meinem Hasen, für die vielen Gespräche, die Treffen und die freundschaftliche Liebe. M. die ich in einem Onlineforum kennen lernte und bis heute verbunden bin. Wie wir damals in der Arbeitserprobung den Laden auf den Kopf gestellt haben. Und an S., auch wenn du derzeit Zweifel hast, bin ich mir sicher du wirst eine gute Mutter.

Gerne würde ich all diese einzelnen Aussagen auf Zettel schreiben lassen, sie an Ballons binden und an meinem Grab in den Himmel steigen lassen.

2 Gedanken zu „#110 – was ich noch sagen würde (bevor es unter geht)“

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